
09.12.2011


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Ein modifizierter achtreihiger Maispflückvorsatz der Firma Geringhoff. der für den Straßentransport beidseitig eingeklappt werden kann, war bei der Demonstration an einem Claas-Lexion-480-Mähdrescher angebaut. Lohnunternehmer Georg Schmid-Maier aus Alling-Biburg (Landkreis Fürstenfeldbruck) demonstrierte bei der Feldvorführung, dass das System gut funktioniert. |
Erstaunlich war
für viele Besucher, wie viel Stroh im Schwad lag, wo es leicht vom Häcksler
aufgenommen werden konnte. |
Biogas aus Maisstroh
Eine Methode zur Doppelnutzung von Körnermais
In der Öffentlichkeit und in den Medien wird die"Vermaisung" der Landschaft immer wieder kritisiert, und die" Teller – oder – Tank - Diskussion" wird sehr kontrovers geführt. Da scheint es geradezu logisch, bei der Körnermaisernte das Stroh nicht einfach liegen zu lassen.
Die Maisflächen für Futtergewinnung und für die stark ansteigende Anzahl von Biogasanlagen haben in den letzten Jahren enorm zugenommen. Durch die Konkurrenzsituation um die Ackerflächen und die damit verbundenen explodierenden Pachtpreise kommt es auch innerhalb der Landwirtschaft in manchen Regionen zu Spannungen: vor allem für Vollerwerbsbetriebe mit einem hohen Pachtflächenanteil wird langsam die Ackerfläche knapp. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken

Johannes Hense (links). Entwicklungs-ingenieur bei der Firma Geringhoff, und Hans Koch. Leiter Rohstoffmanagement bei der Abel ReTec, erläuterten das neue Verfahren zur Doppelnutzung von Mais.
haben die Firmen Abel ReTec, die Maschinenfabrik Carl Geringhoff und die Saatgutfirma Agromais gemeinsam ein neues Verfahren entwickelt und es im Oktober bei mehreren Feldtagen vorgestellt. War es bisher nur möglich, entweder Körner- oder Silomais zu ernten, so soll jetzt der Landwirt eine Doppelnutzung von seinem Maisfeld haben. In einem Arbeitsgang werden die Körner geerntet und das Maisstroh in einem Schwad abgelegt. So hat der Landwirt neben dem Körnerertrag auch noch die Möglichkeit, das Häckselgut in einer Biogasanlage zu verwerten. "Mit dem neuen Verfahren werden den Landwirten als auch den Betreibern von Biogasanlagen enorme Potenziale im Bereich Biogasproduktion und Marktfruchtbau geboten", erklärte Hans Koch, Leiter Rohstoffmanagement bei Abel ReTec. Neben der Erzielung eines zusätzlichen Einkommens bietet das Verfahren dem Landwirt zahlreiche weitere Vorteile, zum Beispiel kann unmittelbar nach der Ernte gesät werden, weil praktisch kein Stroh mehr auf der Fläche ist, und die Gärreste können als Dünger ausgebracht werden.
Allerdings müssen auch einige Punkte beachtet werden, die in den nächsten Jahren noch weiter untersucht und verbessert werden sollen. Durch die geringere Methanausbeute des Maisstrohs müssen dem Fermenter zusätzlich ein schnell abbaubares Material (zum Beispiel Rübenschnitzel) zugeführt werden. Die Anlage muss an die längere Verweilzeit des Substrats entsprechend angepasst werden. Da die Ackerfläche jetzt zweimal befahren wird, sollen zur Bodenschonung die "Befahrung Feld und Straße" entkoppelt und im Feld leichtere Einheiten eingesetzt werden. Zu achten ist besonders auch auf die Humusbilanz, da der größte Teil der Restpflanze vom Feld abgefahren wird. Durch eine entsprechend optimierte Fruchtfolge, Zwischenfruchtanbau und Rückführung der Gärreste müssen vernünftige Verfahren gefunden werden, um einem Humusabbau entgegenzuwirken.
"Mit dem Strohsammler gelingt es uns, über 70 Prozent des Maisstrohs für die energetische Nutzung zur Verfügung zu stellen", erklärte Johannes Hense, der Projekt begleitende Ingenieur der Firma Geringhoff. Die Firma aus dem westfälischen Ahlen hat seit über 50 Jahren Erfahrungen in der Produktion von Maispflückern. Der Strohsammler wurde auf der Basis des "Mais Star Horizon", der für die Pflückarbeit ein leistungsstarkes Zweiwalzensystem mit Messerleisten hat, entwickelt. Das Maisstroh wird durch das speziell angepasste Messer in eine Auffangwanne, wo eine Förderschnecke mittig unter dem Drescher einem Schwad ablegt. Da totreifes Maisstroh in einer Biogasanlage kaum abgebaut werden kann, ist die Wahl der richtigen Maissorte, die einen hohen Splitt zwischen der Korn- und Restpflanzenabreife hat, von zentraler Bedeutung. Es sind nach Dr. Reiner Almstedt, Produktmanager bei der Agromais GmbH in Everswinkel, die sogenannten "Stay-Green-Sorten", die bis zur Körnerreife eine grün bleibende Restpflanze haben und eine langsame Verstrohung, eine rasche Kornabreife und somit insgesamt ein vergrößertes Erntefenster aufweisen. Er gab den Besuchern der Feldtage einen Überblick über die Züchtung von geeigneten Maissorten, den richtigen Anbau Dünge- und Pflanzenschutzmaßnahmen und informierte über die Ergebnisse der 28 Exaktversuchsflächen, welche die Firma in ganz Deutschland angelegt hat. Auf die Marktfähigkeit des neuen Verfahrens, das durch die Koordination von Züchtung, Anbaumanagement und Technik entstanden ist, haben die drei kooperierenden Firmen lange hingearbeitet. "Endlich konnten wir das Verfahren nun erstmalig im Rahmen von Informationstagen hautnah vorstellen. Wir waren überwältigt von dem großen Interesse unserer Besucher", erklärte Hans Koch. Es wird wohl noch einige Zeit vergehen, bis das Verfahren im größeren Stil in der Praxis angewandt wird. Die beteiligten Firmen sehen aber in der Nutzung von Nebenernteprodukten wie zum Beispiel Maisstroh mit dem vorgestellten Verfahren in Regionen mit einer hohen Flächenkonkurrenz einen Schlüssel zur sinnvollen Kombination zwischen Tank und Teller.
Ludwig Holly
Quelle: Bayerisches Landwitschaftliches Wochenblatt Heft 49 vom 9. Dezember 2011 (Auszug)
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