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Rund um ABEL ReTec
und Biogas

 

Feichten, den 18.05.2011

Auf dem Weg in ein neues Energie-Zeitalter

 

Erste Energiereise von MdB Stephan Mayer durch die Landkreise Altötting und Mühldorf

Burghausen/Feichten. Die Neuausrichtung der Energieversorgung in Deutschland - weg von der Kernenergie und hin zur Nutzung regenerativer Ressourcen - ist die derzeit wohl nachhaltigste politische Aufgabe in Deutschland. Was die Energiewende für das Bayerische Chemiedreieck bedeutet, was die Region dazu beitragen, aber auch wie sie profitieren kann, diese Fragen standen im Mittelpunkt der ersten Energiereise von MdB Stephan Mayer und mehreren Dutzend interessierten Bürgern durch die Landkreise Altötting und Mühldorf. Im Wacker-Werk Burghausen standen die Versorgungssicherheit einerseits und die Energieerzeugung durch Fotovoltaik und Wasserkraft andererseits im Mittelpunkt. Stv. Werkleiter Dr. Klaus Blum sagte eingangs, sein Unternehmen habe sich vor 100 Jahren hier angesiedelt, "weil es Strom gab"; die Besichtigung des Kraftwerks der Alzwerke auf dem Industriegelände bildete den Abschluss des Firmenbesuchs. Blum malte ein düsteres Szenario: Wenn die Anti-Haltung auch auf Pumpspeicherkraftwerke, hochleistungsfähige Stromleitungen und Windparks überschlage, könnte es in Deutschland bald heißen: "Industrie, nein danke". Er verwies auf die von Wacker seit Jahren praktizierte Kreislaufwirtschaft, die Energie und Material spare. Kritik übte er an der Energiesteuer, mittels der man "Produkte bestraft, die einen Energiegewinn bringen". Blum appellierte an den Gesetzgeber, nicht einzelne Produktionsschritte zu sehen, sondern "in ganzen Produktionsketten und Lebensschritten zu denken". Heiner Gerber, bei Wacker für Energieversorgung zuständig, informierte über den ständig steigenden Bedarf an Strom und Dampf im Werk Burghausen. Er appellierte, planbare politische Rahmenbedingungen zu schaffen, um Planungssicherheit zu geben. Stabile Preise seien ebenso wichtig wie stabile Netze. Der Einstieg in die verstärkte Versorgung mit alternativen Energien müsse verträglich gestaltet werden, der Mix ausgewogen sein. "Unser Zieldreieck ist Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit", sagte Gerber. Ewald Schindlbeck von Wacker Polysilicium erläuterte Status und Potenzial der Photovoltaik. Wacker habe im Vorjahr 30.000 Tonnen Polysilicium produziert, was drei Gigawatt Solarstrom entspreche;2015 sollen es 65.000 Tonnen sein. Fotovoltaikanlagen seien langlebig, hätten niedrige Betriebskosten und könnten dezentral betrieben werden. Wenn leistungsfähige Speichertechnologie vorhanden sei, könnte jeder Bürger seinen Strom selbst produzieren. Schindlbeck geht davon aus, dass dies in zwei Jahren der Fall sei. Das bedeute vor allem für den öffentlichen und Individualverkehr eine Revolution: "Der Strom ist schon da, jetzt muss man nur noch die Elektroautos bauen." 

Zweite Station der Reise war die Biogasanlage der Firma ABEL ReTec in Feichten. Diese produziert sechs Millionen Kilowattstunden Strom und 3,5 Millionen Kilowattstunden

Besuch des MdB Stephan Mayer

 Wärme pro Jahr. In der Gemeinde werden alle öffentlichen Gebäude sowie knapp 80 Privathaushalte geheizt. Die Rohstoffe stammten ausschließlich aus dem näheren Umkreis von höchstens acht Kilometer, sagte Geschäftsführer Roland Huber. Firmeninhaber Hermann Abel nannte als herausragende Eigenschaften von Biogas, das es als einziger erneuerbarer Primärenergieträger in der Stromerzeugung grund- und spitzenlastfähig sei. Allerdings sei der Betrieb von Biogasanlagen ohne Wärmenutzung (Kraft-Wärme-Kopplung) ökologisch und ökonomisch ineffizient. Wichtig sei staatliche Unterstützung für Biogasanlagenbetreiber sowie die Schaffung von Einspeisemöglichkeiten ins Erdgasnetz. 

Die Biogasanlage in Feichten stellten Hermann Abel und Roland Huber (Bild oben, Mitte links und Mitte rechts) von der Betreiberfirma ABEL ReTec den Teilnehmern der von MdB Stephan Mayer initiierten Energiereise vor. Bürgermeister Hans Aicher erläuterte die Anschlusssituation in seiner Gemeinde sowie die Akzeptanz der Fernwärmeheizung bei den Bürgern. - Foto: Schwarz

Erste Station im Landkreis Mühldorf war die Geothermie in Waldkraiburg. Man sei auf 107 Grad warmes Wasser gestoßen; Bürgermeister Siegfried Klika zeigte sich optimistisch: "Wir werden in der Lage sein, ganz Waldkraiburg zu beheizen." in Taufkirchen wurde im Ortsteil Ed ein Solarpark besichtigt, der seit acht Jahren in Betrieb ist; unweit davon entsteht eine weitere Anlage.

Endstation der Energiereise war die Firma Schletter in Kirchdorf, weltweit tätiger Hersteller von solaren Montagesystemen und solarer Beleuchtungstechnik, aber auch von Ladestationen für Elektroautos und Messeständen. Hier war die Gruppe auf über 100 Teilnehmer angewachsen.

Beim Abschlussgespräch betonte MdB Stephan Mayer: "Die Reise hat mich darin bestätigt, dass ein neuer Energiemix ohne Kernenergie, also ein schneller Weg in das Zeitalter der erneuerbaren Energie, viele Chancen bringt." Dennoch müsse, so Mayer, darauf geachtet werden, dass eine Deindustrialisierung Deutschlands verhindert wird. Die sichere Versorgung mit bezahlbarem Strom dürfe nicht aus den Augen gelassen werden. Als besonders positiv erachtete der Heimatabgeordnete, dass nicht länger die eine erneuerbare Energie gegen die andere ausgespielt werde. Dies habe die Energiereise belegt. Mayer kündigte an, im Sommer eine zweite Energiereise mit den Schwerpunkten Erdgas-, Wasser- und Windkraft zu organisieren. - ecs

Quelle: Passauer Neue Presse Lokalteil Landkreis Altötting

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